Die Musik kommt
Kurt Tucholsky · 1890–1935
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1919
Nun zwängt, die sonst Musik die Töchter lehrte,sich ins Schwarzseidene mit dem Krachkorsett;und daß man Haydn, Bach und Koschat ehrte,beweist man durch Gesang und am Spinett.
Nun schlagen wieder löwenmähnige Meistermit ihren Pranken auf die Flügel ein,und fiedelt jemand Violin, dann heißt erMischka und soll erst sieben Jahre sein.
Du siehst mich lächelnd an, Eleonore –auch du, Geliebte, seist ein Singtalent?Doch jach entfleucht durch meinem rechten Ohre,was dein Sopran mir in das linke flennt.
Ach ja, der Herbst! Die Blätter werden gelber,und jedes Mädchen kriegt ein hohes C,und auch der Muhsikpädagoge selberstund auf und tremolieretee …
Du Stadt der Lieder, bist du nicht verwundert?So jedes Jahr hast du um den AdventMusikkonzerte Stücker achtzehnhundert –doch mit Gewinn: nur sechseinhalb Prozent.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Fromme Gesänge, S. 82, Felix Lehmann, Charlottenburg, 1919
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Musik kommt“, Fassung 3.790.759 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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