Die Nachfolgerin
Kurt Tucholsky · 1890–1935
28 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 10. Dezember 1929
Die Nachfolgerin von Theobald Tiger
Ich hab meinen ersten Mann gesehn –der ging mit einer!Hütchen, Rock und Bluse (Indanthren)und zwei Kopf kleiner!Sie muß ihn wohl ins Bureau begleiten …Über den Geschmack ist nicht zu streiten.Na, herzlichen Glückwunsch!
Sein Gehirn ist bei der Liebeswahlganz verkleistert;wenn er siegt, dann ist er allemalschwer begeistert.Ob Languettenhemd, ob teure Seiden –seinetwegen kann man sich in Säcke kleiden …Na, herzlichen Glückwunsch!
Frau ist Frau … wie glücklich ist der Mann,dem das gleich ist!Und für sowas zieht man sich nun an!Als ob man reich ist!Das heißt: für ihn?Wir ziehen unsre Augenbrauenfür und gegen alle andern Frauen.Immerhin erwart ich, daß ers merken kann;ich will fühlen, daß ich reizvoll bin.Dreifach spiegeln will ich mich: im Glas, im Neid, im Mann.Der guckt gar nicht hin.Liebe kostet manche Überwindung …Männer sind eine komische Erfindung.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die Weltbühne. 25. Jahrgang 1929, Nummer 50, Seite 880., Verlag der Weltbühne, Berlin, 10. Dezember 1929
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Nachfolgerin“, Fassung 3.541.140 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.