Deutscher Abend
Kurt Tucholsky · 1890–1935
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1919
Nun gönnt die Firma stillen Abendfriedendem Arbeitsmann, den Mädels, dem Kommis –nun sitzt ganz Deutschland um den runden, liebengedeckten Tisch und sieht aufs Visavis.
Da liegt das Land: ganz schwarz und blau und dunkel.Es klirrt der Wind im Telegraphendraht.Ein gelbes Fenster grüßt dich mit Gefunkel:hier spielt der Förster seinen Dauerskat.
Man hebt die Zeitung, läßt sie wieder sinken,die Welt, ihr Lieben, geht den alten Lauf –hieraufbezüglich kann man einen trinken,die Pfeife qualmt, nun steigt der Mond herauf.
Und hundert Mimen spreizen ihre Glieder,und hundert Bürger füllen sich mit Bier …Und hundert Mädchen summen kleine Lieder,denn morgen, morgen muß er fort von hier.
O Herr, so wie wir hinieden krauchen,so segne Land und Leute und Kompott.Verlaß dich drauf: wir könnens brauchen,wir könnens brauchen, lieber Gott!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Fromme Gesänge, S. 72, Felix Lehmann, Charlottenburg, 1919
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Deutscher Abend“, Fassung 3.790.777 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.