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Versbuch

Denkmalsschmelze

Kurt Tucholsky · 18901935

20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1919

Da steht nun Gustav der Verstopfte,aus Eisenguß, die Hand am Knauf.Jedwedes brave Herze klopfteund schlug zu jenem Standbild auf.

Und da –? Er wackelt auf dem Sockelman gab ihm einen kräftigen Schub.Die Adler, seine Ruhmesgockel,das kommt nun alles hin zu Krupp.

Ein kleiner Hund ist der Entenntevermutlich brüderlich gesinnt.Er schnuppert an dem Postamenteund hebt das Bein. Die Träne rinnt.

Doch plötzlich sieht sein Aug nach oben.Der Fürst ist weg! Wer weiß da Rat?Sein Hinterbein bleibt zwar erhoben,doch tut er nicht mehr, was er tat.

Du kleiner Hund, sei nicht verwundert.Man kanns verstehn. Du bist verdutzt.Denn seit dem Jahre Siebzehnhunderthat Er zum erstenmal genutzt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Fromme Gesänge, S. 26, Felix Lehmann, Charlottenburg, 1919
Digitalisat
de.wikisource.org — „Denkmalsschmelze“, Fassung 3.779.758 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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