Danach
Kurt Tucholsky · 1890–1935
36 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1. April 1930
Es wird nach einem Happy-endim Film jewöhnlich abjeblendt.Man sieht bloß noch in ihre Lippenden Helden seinen Schnurrbart stippen –da hat sie nu den Schentelmen …Na, un denn –?
Denn jehn die Beeden brav ins Bett.Na ja … diss is ja auch janz nett.A manchmal möcht man doch jern wissen:Wat tun se, wenn se sich nich kissen?Die könn ja doch nich imma penn …!Na, un denn?
Denn säuselt im Kamin der Wind.Denn kricht det junge Paar n Kind.Denn kocht sie Milch. Die Milch looft üba.Denn macht er Krach. Denn weent sie drüba.Denn wolln sich Beede jänzlich trenn …Na, un denn?
Denn is det Kind nich uffn Damm.Denn bleihm die Beeden doch zesamm.Denn quäln se sich noch manche Jahre.Er will noch wat mit blonde Haare:vorn dof und hinten minorenn …Na, un denn?
Denn sind se alt. Der Sohn haut ab.Der Olle macht nu ooch bald schlapp.Vajessen Kuß und Schnurrbartzeit –Ach, Menschenskind, wie liecht det weit!Wie der noch scharf uff Muttern war,det is schon beinah nich mehr wahr!Der olle Mann denkt so zurück:Wat hat er nu von seinen Jlück?Die Ehe war zum jrößten Teilevabrühte Milch un Langeweile.Un darum wird beim Happy-endim Film jewöhnlich abjeblendt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die Weltbühne. Jahrgang 26, Nummer 14, Seite 517., Verlag der Weltbühne, Berlin, 1. April 1930
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Danach (Tucholsky)“, Fassung 4.294.660 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.