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Versbuch

Wirrsal

Joachim Ringelnatz · 18831934

18 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1928

Denn immer wieder steigt von Zeit zu ZeitDas Glück zu hoch und sackt das Leid zu tief.Und dann: erwacht,Was man gewaltsam totgemacht,Oder was kraftlos dumpfe Unwahrscheinlichkeiten schlief.

Und Kugeln müssen singen durch die Nacht;Und nichts in ihrer Bahn soll leben bleiben.Und was die Menschen sagen oder schreiben,Soll offenkundig Lüge sein.Und eine Zeitlang herrsche Nichts und Nein,Und beuge sich der Vater vor dem Sohn.Revolution!

Damit wir alle neu und weiter leiden,Noch einige die wenigen beneiden,Die dann so stark und unabhängig sind,Daß sie zum Beispiel sich vor einem KindGanz plötzlich – oder sich vor grünen ZweigenOder vor einem Esel – tief verneigen.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Reisebriefe eines Artisten, S. 77, 5.-9. Tausend, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928
Digitalisat
de.wikisource.org — „Wirrsal“, Fassung 3.780.517 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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