Was der Liftboy äußert
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
37 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1924
Fahrstuhl ahoi!Ich bin der BoyAn Silbersteins Lift.Bin ich mal nicht dabei,Reißen die Stricke entzweiUnd zermalmt oder zerquetscht, wen’s gerade trifft.
Aber wenn ich bediene,Saust die MaschineIm NuAus dem Hochparterre bis zum dritten.Um ein Trinkgeld darf ich nicht bitten,Aber feine Herrschaften drücken ein Auge zu.
Am Zahltage sagte Herr Silberstein:Ich dürfte stolz auf den Posten sein,Wo ich immerfort stiege,Und ich bekäme nur kleines Salär,Weil ich fürs Lift so geeignet wär’,Weil ich so sehr wenig wiege.
Da lernt man so allerlei,Und da ist viel Verantwortung bei.Aber ich kenne schon meine Kunden.Da hat’s eine auf mich abgesehn,So eine Dicke mit rundemBusen, die will mir den Kopf verdrehn.Und da blieb der Fahrstuhl im Dachstuhl stehn.Und da meinte sie, müßte was geschehn,
Und da hat sie plötzlich entbunden.Das geht so ungefähr:Bitte sehr! Immer herein!Wer will noch mal von unten geliftet sein?So 2, 4, 8 Halt! Nicht mehr!Rrrr!Unsereins leidet am Nervenschock.Das kann auch nicht jeder.Halt!!!Meine Damen, bitte schön! Zwischenstock!Abteilung Knochen und Leder!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Kuttel-Daddeldu, S. 85–86, Kurt Wolff Verlag, München, 1924
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Was der Liftboy äußert“, Fassung 3.779.397 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.