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Versbuch

Überfahrt

Joachim Ringelnatz · 18831934

16 Zeilen · zuerst gedruckt 1924

Die Brücke brach. Da lag ich sekundenlangMehrmals gebrochen quer über’m Schienenstrang.Wuchs ein Balg mit Lichtern aus Donner und QualmRasend heran.Schrein? Wegwälz? – Zermalm? –Dann – –Quietsch. Meine Knochen zerknürpsten;Die dicksten waren die mürbsten.Entzwei. Vorbei.Splitter mit Brei.Sah noch den armen motivführer erschauern.Dann erhob ich mich, heißt: ich fühlte mich lichtAufwärts schräg durch Lüfte und Mauern,Dachte vielleicht noch – vielleicht auch nicht –Mit einem komischen Rest von „Bedauern“:„Schade, daß mich Bruder Wolfgang jetzt nicht sieht!“

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Kuttel-Daddeldu, S. 54, Kurt Wolff Verlag, München, 1924
Digitalisat
de.wikisource.org — „Überfahrt“, Fassung 3.778.788 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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