Zum Inhalt springen
Versbuch

Kniebeuge

Joachim Ringelnatz · 18831934

19 Zeilen · zuerst gedruckt 1923

Kniee – beugt!Wir Menschen sind Narren.Sterbliche Eltern haben uns einst gezeugt.Sterbliche Wesen werden uns später verscharren.Schäbige Götter, wer seid ihr? und wo?Warum lasset ihr uns nicht länger soMenschlich verharren?Was ist denn Leben?Ein ewiges Zusichnehmen und Vonsichgeben. –Schmach euch, ihr Götter, daß ihr so schlecht uns versorgt,Daß ihr uns Geist und Würde und schöne Gestalt nur borgt.Eure Schöpfung ist Plunder,Das Werk sodomitischer Nachtung.Ich blicke mit tiefster VerachtungAuf euch hinunter.Und redet mir nicht länger von Gnade und Milde!Hier sitze ich; forme Menschen nach meinem Bilde.Wehe euch, Göttern, wenn ihr uns drüben erweckt!Beine streckt!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Turngedichte, Kurt Wolff Verlag, München, 1923
Digitalisat
de.wikisource.org — „Kniebeuge“, Fassung 3.779.391 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Joachim Ringelnatz

Alle Gedichte von Joachim Ringelnatz ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Moderne und Expressionismus

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.