Meine Musca Domestica
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
19 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1933
Hoch soll sie leben!Auch tief darf sie leben,Meine Stubenfliege in der Winterzeit.Alle SauberkeitDarf sie schwarz verkleben.
Was mag sie denken?Was mag sie lenken,Wenn sie scheinbar sinnlos auf dem FrühstückstischZwischen Braten, Käse, Milch und FischImmer unbehelligt flugwirr flieht,Aber plötzlich einen Tischtuchfleck beehrt,Wo kein Mensch etwas Besonderes sieht?
Ist ein Krümelchen wohl eines Totschlags wert!?
Mag sie meinetwegenIhre Eier legenWann, wohin und wieviel ihr beliebt!
Immer noch studiereIch am kleinsten Tiere:Welche himmelhohen Rätsel es gibt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- 103 Gedichte, S. 19, 1. Auflage, Ernst Rowohlt, Berlin, 1933
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Meine Musca Domestica“, Fassung 3.779.343 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.