Ich raffe mich auf
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
21 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1928
(Einem Freund zum Dreißigsten gewidmet)
Der Nachttopf klirrt. Ich bin entschlossen!Der Doornkaat hat mich umgestimmt.Wenn jetzt auch alles in der Stube schwimmt,Ist doch noch lang kein Blut vergossen.
Der Spiegel kracht. Was will das heißen?Was er uns spiegelt, ist verkehrt.Ritz-Ratsch – ich muß mein Federbett zerreißen.Denn Eigentum ist Dreck, der nur beschwert.
Hei, Wind gemacht! Die Federn stieben.Den deutschen Seemann schreckt der Seesturm nicht.Er denkt, den Tod vor Augen, seiner Lieben. –Ach was – Quatsch: Lieben –. Bums! ein Schrank zerbricht.
Der Schrank ist mein, und ich bin frei.Und wenn er mir auch nicht gehörte – –Wie wär’s wenn ich das Fenster mal zerstörte?Päng! – schlitterkläng – – Es ist entzwei!
Plautz – liegt mein Ofen. Er wog tausend Kilos.Wo ist mein Frack? – ich habe Blut geleckt. –Zu lange war ich schwach und energielos.Dein Doornkaat Rosie, hat mein Blut geweckt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Allerdings, S. 72, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Ich raffe mich auf“, Fassung 3.026.802 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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