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Versbuch

Das Geschwätz in der Bedürfnisanstalt in der Schellingstraße

Joachim Ringelnatz · 18831934

15 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1920

Heute wurde Geld eingesammelt,Wo ich angestellt bin, in dem Büro,Für die Frau von jemand, der sich erhängte.Eine Büchse ging rum. Und jeder schenkte.Drei Mark; das ist bei uns immer so.

Es braucht niemand zu wissen, wodran ich bin.Ich habe das Geld meiner Mutter gestohlen.

Ich habe noch gestern acht Mark für KohlenBezahlt. Und die Alte stumpft doch bloß so hin.Und bei ihrer Schwindsucht und sowiesoKann es ja doch nicht mehr lange währen.Ich kann auch nicht ewig fünf Menschen ernährenBei der Arbeit in dem Büro.

Ich möchte mal wieder eine Muhsik hören;Das stimmt einen wieder mal froh.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Turngedichte, Kurt Wolff Verlag, München, 1920
Digitalisat
de.wikisource.org — „Das Geschwätz in der Bedürfnisanstalt in der Schellingstraße“, Fassung 3.779.817 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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