Allerseelen
Georg Trakl · 1887–1914
17 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1913
An Karl HauerDie Männlein, Weiblein, traurige Gesellen,Sie streuen heute Blumen blau und rotAuf ihre Grüfte, die sich zag erhellen.Sie tun wie arme Puppen vor dem Tod.
O! wie sie hier voll Angst und Demut scheinen,Wie Schatten hinter schwarzen Büschen stehn.Im Herbstwind klagt der Ungebornen Weinen,Auch sieht man Lichter in der Irre gehn.
Das Seufzen Liebender haucht in GezweigenUnd dort verwest die Mutter mit dem Kind.Unwirklich scheinet der Lebendigen ReigenUnd wunderlich zerstreut im Abendwind.
Ihr Leben ist so wirr, voll trüber Plagen.Erbarm’ dich Gott der Frauen Höll’ und Qual,Und dieser hoffnungslosen Todesklagen.Einsame wandeln still im Sternensaal.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 26, 1. Auflage, Kurt Wolff Verlag, Leipzig, 1913
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Allerseelen (Trakl)“, Fassung 2.555.732 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Georg Trakl starb 1914; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1984 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118623575 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.