Perversität
Frank Wedekind · 1864–1918
14 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1905
Ein Waisenkind mit nassen, blassen Wangen,Mit hohlen Augen und mit dünnen ArmenHuscht scheu hervor, inständig mein ErbarmenAnflehend, stotternd, schlotternd, furchtbefangen.
Eisig sein Körper, glühend sein Verlangen,Müht sich’s frostbebend, menschlich zu erwarmen.Vergebne Qual; erschlafft in meinen Armen,Bewimmert es sein Hoffen und sein Bangen.
Beschämt schleicht sich’s von hinnen, ächzend, siechend,Nachts bettelnd und bei Tage sich verkriechend,Heut in Verzweiflung, morgen in Verzücktheit;
Verfällt gemach schmerzstillender Verrücktheit,Stutzt, lacht, jauchzt todesfroh, und, der GewandungVom Gischt beraubt, zerschellt es in der Brandung.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die vier Jahreszeiten, 1. Auflage, Albert Langen, Verlag für Litteratur und Kunst, München, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Perversität“, Fassung 3.779.802 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Frank Wedekind starb 1918; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1988 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118629867 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.