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Versbuch

Schneewittchen

Conrad Ferdinand Meyer · 18251898

16 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1882

Schneewittchen hast im Scherz du dich genannt,Da plaudernd einst zusammen wir gesessen,Der Augen tiefes Blau, die Elfenhand,Des Nackens Blondgekraus, wer kann’s vergessen?

Noch jüngst – ich schritt ein hohes Thal entlang,Es war gekrönt mit sieben Silberspitzen,Die von dem himmelnahen FelsenhangHerunter auf die grünen Pfade blitzen –

„Schneewittchen!“ rief ich laut und unbewußt,„Schneewittchen! hinter deinen sieben BergenFührst droben pünktlich du mit kühler BrustDen kleinen Haushalt deinen sieben Zwergen?“

Ein spottend Echo nur antwortet’ mir,Die Felsstirn rümpfte lachend ihre FaltenUnd doch, und doch, mir war’s, ich hätt’ von dir,Schneewittchen! einen lieben Gruß erhalten.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 176, 1. Auflage, Verlag von H. Haessel, Leipzig, 1882
Digitalisat
de.wikisource.org — „Schneewittchen (Meyer)“, Fassung 1.330.194 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Conrad Ferdinand Meyer starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118581775 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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