Die Corsin
Conrad Ferdinand Meyer · 1825–1898
24 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1882
Als das Mütterlein erkrankt,Zog es ächzend aus die Schuh,Ist dem Bettlein zugewankt,Bettet’ sich zur ew’gen Ruh,Seine Haare, weiß wie Flachs,Seine Füße, gelb wie Wachs –Statt wie Mütterlein zu thun,Sterb’ ich stracks in meinen Schuhn!
Heute war ich in der StadtMit dem letzten Silberling,Schaute, was der Krämer hat,Kramte weder Kreuz noch Ring,Kaufte Mehl von WeizenkornUnd ein volles Pulverhorn –Zu dem Liebsten lauf’ ich nun,Sterbe stracks in meinen Schuhn!
Ritten just die Blauen aus,Tranken beim Battista Wein,Luden scharf am Zollerhaus,Sprengten ins Gebirg hinein.Rasch bin links ich abgeschweift.Psss … Die erste Kugel pfeift –Nächtens bei dem Liebsten ruhnWerd’ ich stracks in meinen Schuhn!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 140, 1. Auflage, Verlag von H. Haessel, Leipzig, 1882
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Corsin“, Fassung 3.487.966 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Conrad Ferdinand Meyer starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118581775 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.