Zum Inhalt springen
Versbuch

Der Marmorknabe

Conrad Ferdinand Meyer · 18251898

16 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1882

In der Capuletti Vigna grabenGärtner, finden einen Marmorknaben,Meister Simon holen sie herbei,Der entscheide, welcher Gott es sei.

Wie den Fund man dem Gelehrten zeigte,Der die graue Wimper forschend neigte,Kniet’ ein Kind daneben: Julia,Die den Marmorknaben finden sah.

„Welches ist dein süßer Name, Knabe?Steig’ ans Tageslicht aus deinem Grabe!Eine Fackel trägst du? Bist beschwingt?Amor bist du, der die Herzen zwingt?“

Meister Simon, streng das Bild betrachtend,Eines Kindes Worte nicht beachtend,Spricht: „Er löscht die Fackel. Sie verloht.Dieser schöne Jüngling ist der Tod.“

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, 1. Auflage, Verlag von H. Haessel, Leipzig, 1882
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der Marmorknabe“, Fassung 3.436.703 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Conrad Ferdinand Meyer starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118581775 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Conrad Ferdinand Meyer

Alle Gedichte von Conrad Ferdinand Meyer ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Realismus

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.