Er hat als Jöhr
Alfred Henschke · 1890–1928
24 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1927
Er hat als Jöhr von fuffzehn Jahrenmir einst am Wedding uffjetan.Wir sind nach Köpenick jefahrenund sahen die Natur uns an.Ick zog mir aus die rote Jacke.Er hat für mich det Bier berappt,doch nach neun Monaten, au Backe,es hat jeschnappt, es hat jeschnappt.
Mein Emil is ne kesse Nummer,er hat schon manchen abgekehlt,doch fürcht’ er sich vor jedem Brummer,so jut is er, so zart beseelt.Mir is weiß Gott schon allens piepe,ick lag bei ihm im Bett – da trapptes uff der Treppe... der Polype...es hat jeschnappt, es hat jeschnappt ...
Im Hof der ollen Zuchthausschenkesteht blutbespritzt ein Podium,der dove Pastor macht Menkenke,man sieht sich noch im Kreise um.Im Mauereck blüht blauer Flieder,die Zunge klebt wie angepappt,da saust des Henkers Beil hernieder,es hat jeschnappt, es hat geschnappt ...
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die Harfenjule S. 12, 1. Auflage, Die Schmiede, Berlin, 1927
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Er hat als Jöhr“, Fassung 3.779.374 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Alfred Henschke starb 1928; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1998 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 1182379923 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.