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Versbuch

Der Blinde

Alfred Henschke · 18901928

16 Zeilen · zuerst gedruckt 1913

Sie nennen immer eine FarbeUnd nennen etwas rot und bunt,Und golden sei die GarbeUnd blau des Himmels riesig Rund.Was weiß denn ich von Rose, Mensch und Ziege?Mir ist die Welt ein trübes Loch,In das ich mit gebrochnen Gliedern kroch,Und nun, ein stummer Stein, am Boden liege.Sie sagen, ich hätte Augen. Wo,Wo sind sie? Sie sagen immer: sehen,Und meinen: mit Gedanken weit über die Wiese gehen.Sie lachen mich aus: Blinder, sei froh,Daß du die Welt nicht siehst, häßlich ist sie und schwarz.Aber schwarz: was ist das? Ich wüßt es, wenn ich sehend wär.Ich fühle nur dies: ich bin mir selbst so lastend schwerVom Baume meines Seins tropft meine Seele wie Harz.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Morgenrot! Klabund! Die Tage dämmern!, S. 22, Erich Reiß Verlag, Berlin, 1913
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der Blinde (Klabund)“, Fassung 2.912.314 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Alfred Henschke starb 1928; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1998 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 1182379923 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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