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Versbuch

Der Zwölf-Elf

Christian Morgenstern · 18711914

24 Zeilen in 12 Strophen · zuerst gedruckt 1981

Der Zwölf-Elf hebt die linke Hand:Da schlägt es Mitternacht im Land.

Es lauscht der Teich mit offnem Mund.Ganz leise heult der Schluchtenhund.

Die Dommel reckt sich auf im Rohr.Der Moorfrosch lugt aus seinem Moor.

Der Schneck horcht auf in seinem Haus;desgleichen die Kartoffelmaus.

Das Irrlicht selbst macht Halt und Rastauf einem windgebrochnen Ast.

Sophie, die Maid, hat ein Gesicht:Das Mondschaf geht zum Hochgericht.

Die Galgenbrüder wehn im Wind.Im fernen Dorfe schreit ein Kind.

Zwei Maulwürf küssen sich zur Stundals Neuvermählte auf den Mund.

Hingegen tief im finstern Waldein Nachtmahr seine Fäuste ballt:

Dieweil ein später Wanderstrumpfsich nicht verlief in Teich und Sumpf.

Der Rabe Ralf ruft schaurig: ,Kra!Das End ist da! Das End ist da!'

Der Zwölf-Elf senkt die linke Hand:Und wieder schläft das ganze Land.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Alle Galgenlieder. S. 20–21, Diogenes, Zürich, 1981
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der Zwölf-Elf“, Fassung 2.549.960 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Christian Morgenstern starb 1914; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1984 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11881169X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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