Die zwei Raben
Theodor Fontane · 1819–1898
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1905
Ich ging über’s Haidemoor allein,Da hört ich zwei Raben kreischen und schrein;Der eine rief dem andern zu:„„Wo machen wir Mittag, ich und Du!““
„Im Walde drüben liegt unbewachtEin erschlagener Ritter seit heute Nacht,Und niemand sah ihn in Waldesgrund,Als sein Lieb und sein Falke und sein Hund.
Sein Hund auf neuer Fährte geht,Sein Falk auf frische Beute späht,Sein Lieb ist mit ihrem Buhlen fort, –Wir können speisen in Ruhe dort.
Du setzest auf seinen Nacken dich,Seine blauen Augen, die sind für mich,Eine goldene Locke aus seinem HaarSoll wärmen das Nest uns nächstes Jahr.
Manch einer wird sprechen: ich hatt’ ihn lieb!Doch keiner wird wissen, wo er blieb,Und hingehn über sein bleich GebeinWird Wind und Regen und Sonnenschein.“
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Seite 442, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die zwei Raben“, Fassung 2.446.865 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.
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