Sappho an Alkaïos
Rainer Maria Rilke · 1875–1926
22 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1907
FRAGMENT
Und was hättest du mir denn zu sagenund was gehst du meine Seele anwenn sich deine Augen niederschlagenvor dem nahen Nichtgesagten? Mann,
sieh, uns hat das Sagen dieser Dingehingerissen und bis in den Ruhm.Wenn ich denke: unter euch vergingedürftig unser süßes Mädchentum,
welches wir, ich Wissende und jenemit mir Wissenden, vom Gott bewacht,trugen unberührt, daß Mytilenewie ein Apfelgarten in der Nachtduftete vom Wachsen unsrer Brüste —.
Ja, auch dieser Brüste, die du nichtwähltest wie zu Fruchtgewinden, Freiermit dem weggesenkten Angesicht.Geh und laß mich, daß zu meiner Leierkomme was du abhältst: alles steht.
Dieser Gott ist nicht der Beistand zweier,aber wenn er durch den einen geht— — — — — — — — — — —.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Neue Gedichte, S. 6, 1. Auflage, Insel-Verlag, Leipzig, 1907
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Sappho an Alkaïos“, Fassung 3.780.346 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.
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