In einem fremden Park
Rainer Maria Rilke · 1875–1926
19 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1907
BORGEBY-GÅRD
Zwei Wege sind’s. Sie führen keinen hin.Doch manchmal, in Gedanken, läßt der einedich weitergehn. Es ist, als gingst du fehl;aber auf einmal bist du im Rondelalleingelassen wieder mit dem Steineund wieder auf ihm lesend: FreiherrinBrite Sophie — und wieder mit dem Fingerabfühlend die zerfallne Jahreszahl —.Warum wird dieses Finden nicht geringer?
Was zögerst du ganz wie zum erstenmalerwartungsvoll auf diesem Ulmenplatz,der feucht und dunkel ist und niebetreten?
Und was verlockt dich für ein Gegensatzetwas zu suchen in den sonnigen Beetenals wär’s der Name eines Rosenstocks?
Was stehst du oft? Was hören deine Ohren?Und warum siehst du schließlich, wie verloren,die Falter flimmern um den hohen Phlox?
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Neue Gedichte, S. 54, 1. Auflage, Insel-Verlag, Leipzig, 1907
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „In einem fremden Park“, Fassung 3.780.316 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.