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Versbuch

In Dubiis

Rainer Maria Rilke · 18751926

18 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1955

I

Es dringt kein Laut bis her zu mirvon der Nationen wildem Streite,ich stehe ja auf keiner Seite;denn Recht ist weder dort noch hier.

Und weil ich nie Horaz vergaß,bleib gut ich aller Welt und haltemich unverbrüchlich an die alteaurea mediocritas.

II

DER erscheint mir als der Größte,der zu keiner Fahne schwört,und, weil er vom Teil sich löste,nun der ganzen Welt gehört.

Ist sein Heim die Welt; es mißt ihmdoch nicht klein der Heimat Hort;denn das Vaterland, es ist ihmdann sein Haus im Heimatsort.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Larenopfer. In: Sämtliche Werke, Band I, S. 42-43., Insel-Verlag, Frankfurt am Main, 1955
Digitalisat
de.wikisource.org — „In Dubiis“, Fassung 3.779.830 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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