Kriegslied
Matthias Claudius · 1740–1815
24 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1774
’s ist Krieg! ’s ist Krieg! O Gottes Engel wehre,Und rede du darein!’s ist leider Krieg – und ich begehreNicht Schuld daran zu seyn!
Was sollt’ ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen,Und blutig, bleich und blaß,Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen,Und vor mir weinten, was?
Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten,Verstümmelt und halb todtIm Staub sich vor mir wälzten, und mir fluchtenIn ihrer Todesnoth?
Wenn tausend tausend Väter, Mütter, Bräute,So glücklich vor dem Krieg,Nun alle elend, alle arme Leute,Wehklagten über mich?
Wenn Hunger, böse Seuch’ und ihre NöthenFreund, Freund und Feind ins GrabVersammelten, und mir zu Ehren krähtenVon einer Leich’ herab?
Was hülf’ mir Kron’ und Land und Gold und Ehre?Die könnten mich nicht freun!’s ist leider Krieg – und ich begehreNicht Schuld daran zu seyn.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- ASMUS omnia sua SECUM portans, oder Sämmtliche Werke des Wandsbecker Bothen, Vierter Theil. S. 89, 1. Auflage, beim Verfasser, Wandsbeck, 1774
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Kriegslied (Matthias Claudius)“, Fassung 3.779.649 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Matthias Claudius starb 1815; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1885 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118521098 der Deutschen Nationalbibliothek.
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