Romanze vom Recensenten
Ludwig Uhland · 1787–1862
28 Zeilen · zuerst gedruckt 1854 (Erstdruck 1815)
Recensent, der tapfre Ritter,Steigt zu Rosse, kühn und stolz;Ist's kein Hengst aus Andalusien,Ist es doch ein Bock von Holz.Statt des Schwerts, die scharfe FederZieht er kampfbereit vom Ohr,Schiebt, statt des Visiers, die BrilleDen entbrannten Augen vor.Publikum, die edle Dame,Schwebt in tausendfacher NothSeit ihr bald, barbarisch schnaubend,Ein Siegfried'scher Lindwurm droht,Bald ein süßer SonettisteSie mit Lautenklimpern lockt,Bald ein Mönch ihr mystisch predigt,Daß ihr die Besinnung stockt.Recensent, der tapfre Ritter,Hält sich gut im Drachenmord,Schlägt in Splitter alle Lauten,Stürzt den Mönch vom Kanzelbord.Dennoch will er, groß bescheiden,Daß ihn niemand nennen soll,Und den Schild des Helden zeichnetKaum ein Schriftzug, räthselvoll.Recensent, du Hort des Schwachen,Sei uns immer treu und hold!Nimm zum Lohn des Himmels Segen,Des Verlegers Ehrensold!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte. Wohlfeile Ausgabe. S. 260-261, Dritte Auflage, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1854 (Erstdruck 1815)
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Romanze vom Recensenten“, Fassung 378.219 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Ludwig Uhland starb 1862; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1932 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118625063 der Deutschen Nationalbibliothek.
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