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Versbuch

Wünsche

Kurt Tucholsky · 18901935

24 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1919

Die gnädige Frau ist hell und blond,von sommerlichem Licht durchsonnt –sie scheint sich schlechtgeraten.Braun will sie sein, das dumme Kind,braun, wie Zigeunerweiber sind –und läßt am Strand sich braten.

Jung-Deutschlands Dichter gehn zur Zeitin Fritz von Schillers Schülerkleid –(der war nicht so behende).Vom Recken wird man noch nicht groß;bleibt ruhig noch auf Mutterns Schoß:sie hat die klügern Hände.

Alt-Deutschland macht in PolitikUnd zieht Bilanz aus diesem Krieg:Indien muß badisch werden!Ägypten her! Die Ostsee auch!Wir treten alle vor den Bauchmit sieghaften Gebärden!

Und so hat jeder was zu schrein.Der Neger will ein Weißer sein,der Fußfantrist ein Reiter …Wir wollen aufrecht stehn, mein Kind,und bleiben, was wir selber sind!Ich glaub, das ist gescheiter.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Fromme Gesänge, S. 21, Felix Lehmann, Charlottenburg, 1919
Digitalisat
de.wikisource.org — „Wünsche (Tucholsky)“, Fassung 2.357.688 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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