Krethi und Plethi
Kurt Tucholsky · 1890–1935
14 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1919
Vater Liebert hat eine Rede vom Stapel gelassen,in der er sagte, der Reichstag täte ihm nicht mehr passen.
Denn in diesen durchaus traurigen Vereinkämen ja sogar Krethi und Plethi hinein.
Ich weiß nun nicht genau, wer Krethi und Plethi sind;vielleicht meint er damit meinen Vater oder dein Enkelkind.
Aber das weiß ich: die Schlacht bei Warschau und in den Argonnen,die haben Deutschlands Krethi und Plethi gewonnen.
Vielleicht hat Vater Liebert in Hannover großen Applaus.Ihm hängt aber nicht nur der Reichstag zum Halse heraus.
Da hängt auch ein hoher, preußischer, bunter Orden.Der ist ihm für viel Blut deutscher Krethis und Plethis verliehen worden.
Und der eine Krethi ist Krüppel, und der andere Plethi ist krank.Tausend blasse Lippen flüstern: „Dank, Herr General! Dank!“
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Fromme Gesänge, S. 37, Felix Lehmann, Charlottenburg, 1919
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Krethi und Plethi“, Fassung 3.779.773 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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