Über Asta Nielsen
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
25 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1928 (EA 1927)
So eine Landschaft gibt’s: Wo man den bleichenMond über weiten Ebenen sieht,Der glanzlos, deutlich durch die Ferne zieht,Die – weil sie in uns liegt – wir nie erreichen.
Jemand deutete auf eine Dame hin,Die die Treppe scheuerte.Er beteuerte:Sie sei eine Königin.Und ich wollte Klarheit, fragteSie, ob sie das sei, was jener dachte.Und sie sagte:„Nein!“ – Scheuerte und lachte.
Zu der großen Künstlerin kam ein Verehrer,Schenkte ihr ein schweres StückGold. Sie gab es freundlich ihm zurück,Dankte wie ein gütiger und weiser Lehrer.
Man verwundete und scheuchte sie,Böse oder dummbelehrt gezielt.Töten konnte man sie nie.Weil sie einfach Mensch ist, und weil sieEs auch bleibt, wenn sie Theater spielt.
Blicke lange ihr ins GesichtUnd dann denke nichtIhrer, sondern deiner selbst. Und sprichLange du mit mir über dich.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Reisebriefe eines Artisten, S. 38–39, 5.–9. Tausend, Ernst Rowohlt, Berlin, 1928 (EA 1927)
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Über Asta Nielsen“, Fassung 2.173.646 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.