Herbst
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
17 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1934
Eine trübe, kaltfeuchte Wagenspur:Das ist die herbstliche Natur.Sie hat geleuchtet, geduftet, und trugIhre Früchte. – Nun, ausgeglichen,Hat sie vom Kämpfen und Wachsen genug. –Scheint’s nicht, als wäre alles BetrugGewesen, was ihr entwichen?!
Das Händesinken in den Schoß,das Zweifeln am eignen, an allem Groß,Das Unbunte und Leise,Das ist so schön, daß es wiederjungBeginnen kann, wenn ErinnerungEs nicht klein machte, sondern weise.
Ein Nebel blaut über das Blätterbraun,Das zwischen den Bäumen den Boden bedeckt.
Wenn ihr euren Herbst entdeckt:Dann seid darüber nicht traurig, ihr Fraun.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Gedichte von Einstmals und Heute S. 80–81, Ernst Rowohlt, Berlin, 1934
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Herbst (Ringelnatz)“, Fassung 3.779.509 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.