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Versbuch

An der Alten Elster

Joachim Ringelnatz · 18831934

23 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1933

Wenn die Pappeln an dem UferhangeSchrecklich sich im Sturme bogen,Hu, wie war mir kleinem Kinde bange! –Drohend gelb ist unten Fluß gezogen.

Jenseits, an der Pferdeschwemme,Zog einmal ein Mann mit einer StangeEine Leiche an das Land.Meine ButterbemmeBiß ein Hund mir aus der Hand. –O wie war mir bange,Als der große Hund plötzlich neben mir stand!

Längs des steilen Abhangs warenBüsche, Höhlen, Übergangsgefahren. –

Dumme abenteuerliche Spiele ließenMich nach niemand anvertrauten TräumenAllzuoft und allzulangeSchulzeit, Gunst und Förderndes versäumen. –Hulewind beugte die Pappelriesen.O wie war mir bange!

Pappeln, Hang und Fluß, wo dieses KindSo viel heimlichstes Erleben hatte,Sind nicht mehr. Mir spiegelt dort der glatteAsphalt Wolken, wie sie heute sind.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
103 Gedichte, S. 9–10, 1. Auflage, Ernst Rowohlt, Berlin, 1933
Digitalisat
de.wikisource.org — „An der Alten Elster“, Fassung 3.778.554 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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