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Versbuch

Einzelhaftpsychose

Lili Grün · 19041942

16 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1930

Ich weiß nicht mehr[,] wie meine Stimme klingt,Ich glaub, ich habe seit Tagen nicht gesprochen.Ob man sich etwas aus der Zeitung liest?„In Neukölln hat einer seine Frau erstochen – –“Ach nein, es ist schon besser, wenn man etwas singt.

Ich lege fest meine beiden Arme um michUnd sage ins dunkle Zimmer: Ich liebe dich –Weißt du, einmal an einem Sonntagnachmittag, wie heut,Da war ich ganz allein – und ich tat mir so leid –Doch jetzt ist alles gut, denn jetzt bist du da –Und du bist so gut und du bist so nah …

Ich warte, ob drauf niemand etwas sagen will,Aber im Zimmer ist’s noch immer still,Und ich höre keinen.Da leg’ ich meine beiden Hände vors GesichtUnd kann endlich weinen …

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Das Leben, 8. Jg., H. 4 (1930), S. 48, Leipziger Verlagsdruckerei, Leipzig, 1930
Digitalisat
de.wikisource.org — „Einzelhaftpsychose“, Fassung 4.164.187 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Lili Grün starb 1942; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2012 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 126449090 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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