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Versbuch

Grablied auf einen in der Schlacht gebliebenen jungen Helden

Christian Felix Weiße · 17261804

45 Zeilen in 9 Strophen · zuerst gedruckt 1758

Jüngling.Hier fiel der Jüngling unser Freund!Der Held sank hier dahin!Noch schlug er sterbend seinen Feind,Fiel siegreich über ihn.

Mädchen.Der Mädchen stiller Wunsch war Er!Der jungen Manner Neid:Der Kriegesgott im Helm und Speer,Apoll im Friedenskleid.

Chor der Jünglinge und Mädchen.Auf! stattet der Zärtlichkeit Pflichten ihm ab!Umpflanzet mit düstern Cypressen sein Grab!Erhebt ihn in Liedern, und baut ihm Altäre,Und weint ihm der Liebe gebeiligte Zähre!

Jüngling.Voll Schweis und Blut riß seine HandViel an ihr Lebensziel:Für König und für VaterlandVerblutet er und fiel!

Mädchen.Da trug ihn hoch sein stolzes Roß,Voll von des Jünglings Muth:Für uns, für unsre Mütter floßSein edles Heldenblut!

Chor der Jünglinge und Mädchen.Des Jünglings Verdiensten und Thaten getreu,Erbaut ihm Tropheen und singt ihn dabey!Und nennet ihn unter den Helden, den Größten,Und unter den Freunden der Menschen, den Besten!

Jüngling.Nicht Wall noch Mauern schreckten ihn,Er schwung sich kühn darauf!Zuletzt riß ihn sein Muth dahinIn seines Ruhmes Lauf.

Mädchen.Noch todt, schön, wie der Maja Sohn,Lag er voll Blut besprützt:Ein ewger Nachruhm bleibt sein Lohn:Man sing ihn spät, wie itzt!

Chor der Jünglinge und Mädchen.Pflückt Rosen und Veilchen sein Grab zu bestreun!Umpflanzt es mit Rosen, begießt es mit Wein!Umhänget die Urne mit blühenden Kränzen!Sein Name wird bey den Unsterblichen glänzen!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Scherzhafte Lieder. S. 70-72, 1. Auflage, Weidemann, Leipzig, 1758
Digitalisat
de.wikisource.org — „Grablied auf einen in der Schlacht gebliebenen jungen Helden“, Fassung 601.933 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Christian Felix Weiße starb 1804; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1874 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118630563 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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