Der langsame Crispin
Christian Felix Weiße · 1726–1804
24 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1758
Bey heitern Mondenscheine,Erwartete im HayneVoll Zorn Claudine den Crispin.Wie ärgerte ClaudinenDie Trägheit von Crispinen!Denn, eh er kam, gieng halb der Abend hin.
Sie wollt ihn nicht mehr sehen,Und hochgelehrt im SchmähenEmpfing sie zornig den Crispin.Sie weinte, schimpfte, drohte,Wenn er die Hand ihr bote:Woher du kömmst, schrie sie, geh wieder hin!
Sein Reden, Bitten, FlehenHalf nichts, sie hieß ihn gehen,Dieß währte bis um Mitternacht:Er bat mit mildern Blicken,Ihn mindstens fortzuschicken:Doch desto mehr schien sie nur aufgebracht.
Wohl! sprach er, deinen WillenMuß ich einmal erfüllen,Und drollte nach dem Weinhaus hin:Da fing sie erst von neuenErbärmlich an zu schreyen:Du gehst, Crispin? Ach bleib Crispin! Crispin!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Scherzhafte Lieder. S. 125-126, 1. Auflage, Weidemann, Leipzig, 1758
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der langsame Crispin“, Fassung 3.435.631 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Christian Felix Weiße starb 1804; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1874 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118630563 der Deutschen Nationalbibliothek.
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