Der Sturm
Christian Felix Weiße · 1726–1804
24 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1758
Der lichte Himmel schwärzet sich:Ein jäher Sturm braust in den Zweigen,Und überall herrscht fürchterlichEin ehrerbiethig Schweigen.Der kleinen Sänger tonreich ChorVergißt sein Lied, und lauscht in Sträuchen,Und nur die Schwalbe schießt hervor,Und schwebet auf den Teichen.
Komm Chloe, eilends folge mir:Doch sieh, wie sich die Rosen bücken,Vom Sturm bedroht flehn sie zu dir;Du sollst sie liebreich pflücken.Sie zittern vor den nahen Tod.O sieh, wie schön sie sich entfärben!Viel lieber wünscht ihr schamhaft RothAn deiner Brust zu sterben.
Wir sind entflohn, was fürchten wirIn dieser dicht verwachsnen Laube:Welch Glück! es wartet unser hierDer Saft der Moslertraube.Verwegner Nord! tob immerhin,Und nimm, willst du ja hier noch wehen;Nimm meiner Chloe Palatin!Nur laß die Gläser stehen.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Scherzhafte Lieder. S. 19-20, 1. Auflage, Weidemann, Leipzig, 1758
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Sturm (Weiße)“, Fassung 3.746.433 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Christian Felix Weiße starb 1804; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1874 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118630563 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.