Abschiedsworte an einen Nordpolarfahrer
Alfred Henschke · 1890–1928
24 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1927
Lebe wohl, die Träne hängt am Blicke,welcher dich von dannen gleiten sieht.Die erfüllt der Horizont sich zum Geschicke,und der Möwenruf zum Lied.
Ewige Ewigkeiten bist du, Skage,die entmenschte Menschheit los.Unser Rattennest scheint dir nur eine Sage,und die Zeitung dient als Brennstoff bloß.
Ach, der Nordpol ist die einzige Gegend,wo die Parze Friedensstoffe webt,wo man sich von hier nach dort bewegendseiner Seele schönster Regung lebt.
Weder daß man morgens zum Ersatzteeden Ersatzgeist aufgetischt bekommt –Nein, der Eiskaffee ist hier am Platze,und die kalte Schnauze ist’s, die frommt.
Denn der Eisbär ist ein edler Räuber,und ein stummer Bruder der Pinguin.Möwen sind die leichten Zeitvertreiber,und ein biedrer Freund der Schneekamin.
Kehrst nach manchen Jahren dann zurück du –liegt Europa brach von Menschen leer.Bleib in deinem weißen Nordpolarglück –du findest eine goldne Welt nicht mehr.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die Harfenjule S. 38-39, 1. Auflage, Die Schmiede, Berlin, 1927
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Abschiedsworte an einen Nordpolarfahrer“, Fassung 1.172.490 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Alfred Henschke starb 1928; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1998 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 1182379923 der Deutschen Nationalbibliothek.
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