Allein!
Ada Christen · 1844–1901
24 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1870
Einsam stand ich auf den Bergen,Wo der Falke kreischend flog,über schneebedecktem GipfelSeine stillen Kreise zog.
Einsam lag ich auf der HaideWenn die Sonne untersank,Und der dürre glüh’nde BodenGierig feuchte Nebel trank.
Einsam saß ich oft am Meere,Dessen alter KlaggesangBald wild-zornig, bald süß-traurig,Bald wie dumpfes Schluchzen klang.
Einsam irrt ich durch die Wälder,Nur die Eul’ am FelsenriffWar mein krächzender GefährteUnd der Wind, der wimmernd pfiff.
Einsam litt ich – aber tröstendWar die hehre Einsamkeit –Nicht allein trug ich mein Elend,Die Natur verstand mein Leid!
Doch allein – so ganz alleine –Abgrundtief von Euch entfernt,Fand ich mich in Euren Sälen –Als ich Euch versteh’n gelernt!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Aus der Asche. Neue Gedichte. Seite 55–56, Hoffmann & Campe, Hamburg, 1870
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Allein!“, Fassung 4.427.728 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Ada Christen starb 1901; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1971 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 119549263 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.