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Versbuch

Einem Dichterlein

Ada Christen · 18441901

16 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1870

O, säng’ ich doch von Veilchenduft,Gleich Dir von Lieb’ und Mondenschein,Von Waldesgrün und Himmelszelt,Von Frühlingspracht und Vögelein!

Du säuselst laue TreibhausluftUnd weinst gewärmte Thränelein,Und meinst, es müßt’ die ganze Welt,Nur weil Du klagst, auch kläglich sein.

O, honigsüßes Dichterlein,Der Du aus Büchern dichten lernstUnd flau besingst, was stets Dich mied:Des Lebens echten Schmerz und Ernst.

Und doch! säng’ ich so zierlich feinGelernten Schmerz, geles’ne Lust,Nicht spräng’ mir jedes kleine LiedEin blutig Mäuslein aus der Brust.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Aus der Asche. Neue Gedichte. Seite 40, Hoffmann & Campe, Hamburg, 1870
Digitalisat
de.wikisource.org — „Einem Dichterlein“, Fassung 4.427.736 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Ada Christen starb 1901; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1971 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 119549263 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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