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Versbuch

Pfannkuchen und Salat

Wilhelm Busch · 18321908

46 Zeilen in 12 Strophen · zuerst gedruckt [1960]

Von Fruchtomletts da mag berichtenEin Dichter aus den höhern Schichten.

Wir aber, ohne Neid nach oben,Mit bürgerlicher Zunge lobenUns Pfannekuchen und Salat.

Wie unsere Liese delikatSo etwas backt und zubereitet,Sei hier in Worten angedeutet.

Drei Eier, frisch und ohne Fehl,Und Milch und einen Löffel Mehl,Die quirlt sie fleißig durcheinandZu einem innigen Verband.

Sodann, wenn Tränen auch ein Übel,Zerstückelt sie und mengt die ZwiebelMit Öl und Salz zu einer Brühe,Daß der Salat sie an sich ziehe.

Um diesen ferner herzustellen,Hat sie Kartoffeln abzupellen.Da heißt es, fix die Finger brauchen,Den Mund zu spitzen und zu hauchen,Denn heiß geschnitten nur alleinKann der Salat geschmeidig sein.

Hierauf so geht es wieder heiterMit unserm Pfannenkuchen weiter.

Nachdem das Feuer leicht geschürt,Die Pfanne sorgsam auspoliert,Der Würfelspeck hineingeschüttelt,So daß es lustig brät und brittelt,Pisch, kommt darüber mit GezischDas ersterwähnte Kunstgemisch.

Nun zeigt besonders und apartSich Lieschens Geistesgegenwart,Denn nur zu bald, wie allbekannt,Ist solch ein Kuchen angebrannt.

Sie prickelt ihn, sie stockert ihn,Sie rüttelt, schüttelt, lockert ihnUnd lüftet ihn, bis augenscheinlichDie Unterseite eben bräunlich,Die umgekehrt geschickt und promptJetzt ihrerseits nach oben kommt.

Geduld, es währt nur noch ein bissel,Dann liegt der Kuchen auf der Schüssel.

Doch späterhin die Einverleibung,Wie die zu Mund und Herzen spricht,Das spottet jeglicher Beschreibung,Und darum endet das Gedicht.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Zu guter Letzt. In: Historisch-kritische Gesamtausgabe in vier Bänden. Band 4, S. 275-276, Vollmer, Wiesbaden u. Berlin, [1960]
Digitalisat
de.wikisource.org — „Pfannkuchen und Salat“, Fassung 3.779.450 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Wilhelm Busch starb 1908; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1978 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118517880 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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