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Versbuch

Der Tod des Dichters

Rainer Maria Rilke · 18751926

14 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1907

Er lag. Sein aufgestelltes Antlitz warbleich und verweigernd in den steilen Kissen,seitdem die Welt und dieses von ihr Wissen,von seinen Sinnen abgerissen,zurückfiel an das teilnahmslose Jahr.

Die, so ihn leben sahen, wußten nicht,wie sehr er eines war mit allem diesen,denn dieses: diese Tiefen, diese Wiesenund diese Wasser waren sein Gesicht.

O sein Gesicht war diese ganze Weite,die jetzt noch zu ihm will und um ihn wirbt;und seine Maske, die nun bang verstirbt,ist zart und offen wie die Innenseitevon einer Frucht, die an der Luft verdirbt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Neue Gedichte, S. 23, 1. Auflage, Insel-Verlag, Leipzig, 1907
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der Tod des Dichters“, Fassung 3.780.524 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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