Corrida
Rainer Maria Rilke · 1875–1926
27 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1918
IN MEMORIAM MONTEZ, 1830
Seit er, klein beinah, aus dem Torilausbrach, aufgescheuchten Augs und Ohrs,und den Eigensinn des Picadorsund die Bänderhaken wie im Spiel
hinnahm, ist die stürmische Gestaltangewachsen — sieh: zu welcher Masse,aufgehäuft aus altem schwarzen Hasse,und das Haupt zu einer Faust geballt,
nicht mehr spielend gegen irgendwen,nein: die blutigen Nackenhaken hissendhinter den gefällten Hörnern, wissendund von Ewigkeit her gegen den,
der in Gold und mauver Rosaseideplötzlich umkehrt und, wie einen SchwarmBienen und als ob er’s eben leide,den Bestürzten unter seinem Arm
durchläßt, — während seine Blicke heißsich noch einmal heben, leichtgelenkt,und als schlüge draußen jener Kreissich aus ihrem Glanz und Dunkel niederund aus jedem Schlagen seiner Lider,
ehe er gleichmütig, ungehässig,an sich selbst gelehnt, gelassen, lässigin die wiederhergerollte großeWoge über dem verlornen Stoßeseinen Degen beinah sanft versenkt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Der neuen Gedichte anderer Teil, S. 82-83, Insel-Verlag, Leipzig, 1918
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Corrida“, Fassung 1.726.052 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.
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