Elegie bei einer Tasse Mocca
Lili Grün · 1904–1942
21 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1930
Von Lili Grün
Mein letzter Freund war ein Jurist.Ich bin seit dieser Zeit gegen Juristen.Juristen sind alle falsch, herzlos und bös,Ich kann dieses Wort gar nicht hören, es macht mich nervös.Darum wünsch ich mir zum nächsten VerehrerBeispielsweise einen Volksschullehrer.Ein Mann, der den ganzen Tag kleine Kinder unterrichtet,Muß doch nebst Verstand und anderen Gaben,So etwas wie eine Seele haben.Und ich bin so scharf auf Seele!
Jedoch für Stimmung und PoesieWäre die einfachste Lösung ja die:Man könnte einen Landpastor bekommen.Aber die Leute sagen, es wird so schwer gehenUnd ich muß ja selbst gestehen:Durch meinen vergangenen JuristenHabe ich so wenig Umgang mit Christen.Und wenn man bedenkt, wie selten sich so ein LandpastorIns Romanische Café verirrt,Muß man zugeben, daß es einigermaßen schwer sein wird!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Jugend: Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben, 35. Jg., H. 30 (1930), S. 475, Jugend, München, 1930
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Elegie bei einer Tasse Mocca“, Fassung 4.164.190 · Bearbeitungsstand „korrigiert“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Lili Grün starb 1942; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2012 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 126449090 der Deutschen Nationalbibliothek.
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