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Versbuch

Wollust

Karl Kraus · 18741936

18 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1920

O Unterschied im Liebesspiele!Wie kommt es aus ganz andern Quellen:bei ihr zu sein,und sie sich vorzustellen!Denn sie ist nur ein Schein;doch wenn sie fern, erwachsen die Gefühle.

Kurz ist die Gier,und man ist bald am Zielund fühlt nur eben, was man fühle;das ist nicht viel.Gern wär’ man aus dem Spiele,ist man bei ihr.

Wie bin ich anders aufgewühlt,ist sie entrückt!Wie wird sie vielfach neu und nahund endlos bleibe ich verzückt,denn sie, sie selbst ist da,und ich, ich fühle, was sie fühlt!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Ausgewählte Gedichte, S. 49, Verlag der Schriften von Karl Kraus (Kurt Wolff), München, 1920
Digitalisat
de.wikisource.org — „Wollust (Kraus)“, Fassung 1.228.358 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Karl Kraus starb 1936; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2006 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118566288 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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