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Versbuch

Sonntags

Joachim Ringelnatz · 18831934

16 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1928 (EA 1927)

Du redest. Du redest doch auch zu mir?Die Kanzel ist so hoch entfernt.Was redest du auf Lateinisch zu mir!Ich habe doch nie Lateinisch gelernt.

Was redest du so düster und fremd?Lache doch einmal laut!Was trägst du für ein feierlich Hemd?Damit wir bangen? Damit uns graut?

Was gehst du so um den Brei herum,Um den saftigen, würzigen Brei?Ich war so froh; nun bin ich dummUnd risse dir gern das Hemd entzwei.

Und sähe dich gerne splitternackt,Verzweifelten Gesichts.Ich bin vielleicht vom Teufel gepackt.Aber er tut mir nichts.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Reisebriefe eines Artisten, S. 13, 5.–9. Tausend, Ernst Rowohlt, Berlin, 1928 (EA 1927)
Digitalisat
de.wikisource.org — „Sonntags (Ringelnatz)“, Fassung 1.159.697 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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