Rachegelüst
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
15 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1928
Wenn die Menschen dumpf sich nicht getraun,Wenn sie feig und heuchlerisch sich fügenUnd ihr Glück auf ihre Schlauheit baun,Redliches bedrücken und betrügen.
Wenn sie schleichen, flüstern und sich ducken,Andrerseits aus Würde sich genieren, – –O dann müßte etwas explodieren.Und ein Riese müßte sich erhebenÜber sie und sie nicht etwa töten,Sondern saftig, kräftig sie bespucken,Um sie für ihr weitres LebenAls verschleimte, fette WarzenkrötenIn ein Glashaus einzusperrn.Und ich würde durch die Scheiben guckenUnd sie grüßen: „Hochverehrte Herrn!“
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Allerdings, S. 109, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Rachegelüst“, Fassung 3.026.822 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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