April
Detlev von Liliencron · 1844–1909
30 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1901
Wie der Südwind pfeift,In den Dornbusch greift,Der vor unserm Fenster sprießt.Wie der Regen stürztUnd den Garten würztUnd den ersten Frühling gießt!
Plötzlich säumt der Wind,Und der Regen rinntSpärlich aus dem Wolkensieb.Und die Mühle drehtLangsam sich und steht,Die noch eben mächtig trieb.
Schießt ein SonnenblickÜber Feld und Knick,Wie der Blitz vom Goldhelm huschtUnd auf Baum und GrasSchnell im TropfennaßTausend Silbertüpfel tuscht.
Wieder dann der Süd,Immer noch nicht müd,Zornt die Welt gewaltig an.Und der Regen rauscht,Und der Garten lauschtDemütig dem wilden Mann.
Meiner Schulter dichtLehnt dein hold Gesicht,Schaut ins Wetter still hinein.Kennst das alte Wort,Ewig währt es fort:Regen tauscht und Sonnenschein.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Liliencrons Gedichte. Auswahl für die Jugend. Zusammengestellt von der Lehrervereinigung zur Pflege der künstlerischen Bildung in Hamburg. Seite 50-51, Schuster & Loeffler, Berlin und Leipzig, 1901
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „April (Liliencron)“, Fassung 1.065.588 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Detlev von Liliencron starb 1909; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1979 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118572954 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.