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Versbuch

Der Gaul

Christian Morgenstern · 18711914

24 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1981

Es läutet beim Professor Stein.Die Köchin rupft die Hühner.Die Minna geht: Wer kann das sein? –Ein Gaul steht vor der Türe.

Die Minna wirft die Türe zu.Die Köchin kommt: Was gibt’s denn?Das Fräulein kommt im Morgenschuh.Es kommt die ganze Familie.

‚Ich bin, verzeihn Sie‘, spricht der Gaul,‚der Gaul vom Tischler Bartels.Ich brachte Ihnen dazumauldie Tür- und Fensterrahmen!‘

Die vierzehn Leute samt dem Mops,sie stehn, als ob sie träumten.Das kleinste Kind tut einen Hops,die andern stehn wie Bäume.

Der Gaul, da keiner ihn versteht,schnalzt bloß mal mit der Zunge,dann kehrt er still sich ab und gehtdie Treppe wieder hinunter.

Die dreizehn schaun auf ihren Herrn,ob er nicht sprechen möchte.Das war, spricht der Professor Stein,ein unerhörtes Erlebnis!..

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Alle Galgenlieder. S. 80–81, Diogenes, Zürich, 1981
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der Gaul“, Fassung 3.087.976 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Christian Morgenstern starb 1914; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1984 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11881169X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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