Der Sieg über sich selbst
Christian Felix Weiße · 1726–1804
35 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1758
Hört zu! ich will die Weisheit singen:Die Kunst, sich selbsten zu bezwingen,Kenn ich, ich kenne sie allein.Es lehrt kein Dockter und ProfesserSie leichter, gründlicher und besser:Trinkt Wein!Dieß lernt euch weise seyn.
Müßt ihr euch vor Markolphen beugen,Seht ihr ihn täglich höher steigen,Man weist euch ab, läßt Narren ein:O laßt die Narren beyeinander,Und schleichet aus der AntichamberZum Wein:Da seyd ihr groß, er klein.
Zwingt euch Gelastens Glück zum Neide:Euch kleidet Wolle: doch ihn Seide:Ihr geht, er muß gefahren seyn.Er fahre! und berechne Schulden!Geht ihr, und gebt den letzten GuldenFür Wein:So schlaft ihr ruhig ein.
Wenn sich die Nachbarn mit euch zanken,Und eure kämpfenden GedankenDen Tod zum mindsten ihnen dräun:So lauft ja nicht zum Advocaten;Ihr könnt euch selbst am klügsten rathen:Trinkt Wein!So werdet ihr verzeihn.
Wenn Chloris ewig grausam bleibet,Und Spott mit eurem Feuer treibet,Das eure Musen kläglich schreyn:So zittert nicht vor euer Leben;Eilt, ihnen gleich den Rest zu geben!Trinkt Wein!So wird es euch gereun.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Scherzhafte Lieder. S. 12-13, 1. Auflage, Weidemann, Leipzig, 1758
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Sieg über sich selbst“, Fassung 3.444.334 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Christian Felix Weiße starb 1804; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1874 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118630563 der Deutschen Nationalbibliothek.
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