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Versbuch

Prag

Ada Christen · 18441901

17 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1870

Auf dem alten jüdischen Friedhofe.

Sinnend stand ich bei dem GrabeRabby Löv’s, des jüd’schen Weisen,Hörte wie im Traum den FührerSeine todten Ahnherrn preisen.

Und warum, so frug ich staunend,All’ die Juden, groß und kleine,Auf das Grab mit leisem MurmelnWerfen bunte Kieselsteine?

Und es wurde mir die Antwort:„Um zu ehren, ist geboten,Daß wir Blumen streu’n Lebend’gen,Steine auf das Grab der Todten.“

Von solch’ heidnischem GebraucheSind wir Christen längst gereinigt:Wir bekränzen stets die GräberJener, welche wir gesteinigt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Aus der Asche. Neue Gedichte. Seite 54, Hoffmann & Campe, Hamburg, 1870
Digitalisat
de.wikisource.org — „Prag. Auf dem alten jüdischen Friedhofe“, Fassung 4.427.742 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Ada Christen starb 1901; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1971 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 119549263 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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