Form
Balladen: zehn Gedichte von 12 bis 140 Zeilen
Zehn Gedichte dieser Sammlung sind als Ballade ausgewiesen, das kürzeste mit zwölf, das längste mit 140 Zeilen; in der Mitte liegen 24 Zeilen. Die Druckjahre reichen von 1882 bis 1928, sechs Verfasser sind vertreten. Jede Zeilenzahl unten ist gezählt, damit vor dem Öffnen klar ist, ob der Text auf eine Karte, in eine Rede oder in eine Vorlesestunde gehört.
10 Gedichte von 6 Verfasserinnen und Verfassern · davon 1 mit höchstens 12 Zeilen
Alle Gedichte: Balladen
Kürzestes zuerst. Jede Zeilenzahl ist gezählt, nicht geschätzt.
- BalladetteJoachim Ringelnatz · 12 Zeilen
- BalladeOtfried Krzyzanowski · 14 Zeilen
- Berliner BalladeAlfred Henschke · 16 Zeilen
- Ballade vom VolkRichard Dehmel · 22 Zeilen
- Ballade des äußeren LebensHugo von Hofmannsthal · 23 Zeilen
- BalladeJoachim Ringelnatz · 24 Zeilen
- BalladeAlfred Henschke · 25 Zeilen
- Die Ballade von den HofsängernAlfred Henschke · 25 Zeilen
- Die Ballade des VergessensAlfred Henschke · 112 Zeilen
- FingerhütchenConrad Ferdinand Meyer · 140 Zeilen
Was hier eine Ballade ist – und welche Länge wozu passt
Zehn Gedichte stehen hier unter der Form Ballade, und alle zehn sind unten aufgeführt. Das kürzeste hat zwölf Zeilen, das längste 140 – dazwischen liegt mehr als das Elffache an Umfang. Die mittlere Länge beträgt 24 Zeilen: ein Gedicht bleibt bei höchstens zwölf Zeilen, zwei liegen zwischen 13 und 20, fünf zwischen 21 und 40, und zwei überschreiten 80 Zeilen. Sechs Verfasser teilen sich den Bestand: Alfred Henschke mit vier Gedichten, Joachim Ringelnatz mit zwei, dazu je eines von Otfried Krzyzanowski, Richard Dehmel, Hugo von Hofmannsthal und Conrad Ferdinand Meyer. Die Druckjahre reichen von 1882 bis 1928, sechs davon fallen in die zwanziger Jahre.
Die Zuordnung ist mechanisch, nicht interpretierend. Ballade steht nur dort, wo die Quelle selbst es sagt: die Kategorie bei Wikisource oder der Band, aus dem der Text stammt. Kein Gedicht landet hier, weil es erzählend wirkt oder weil jemand einen Kehrreim vermutet. Die Zeilen sind gezählt, nicht geschätzt; Leerzeilen zwischen den Strophen zählen nicht mit. Wer eine Ballade im strengen Schulsinn sucht – eine Geschichte in Strophen, Figuren, ein Ausgang –, sieht an der Herkunftsangabe, worauf die Einordnung beruht, und an der Zeilenzahl vorab, worauf er sich einlässt.
Am kürzesten ist die „Balladette“ von Joachim Ringelnatz, gedruckt 1924, zwölf Zeilen, erste Zeile: „Das war die sonst noch ziemlich fesche“. Es folgt ein schlicht „Ballade“ betiteltes Gedicht von Otfried Krzyzanowski aus dem Jahr 1919, vierzehn Zeilen lang, das mit „Ein geschändeter Leichnam“ beginnt – wer eine Karte beschriften will, urteilt an diesem Anfang selbst, ob er weiterliest. Sechzehn Zeilen hat die „Berliner Ballade“ von Alfred Henschke, 1927 gedruckt, erste Zeile: „Sie hing wie eine Latte“. Damit sind die drei kürzesten Stücke der Seite benannt; das nächstlängere hat bereits 22 Zeilen.
Fünf der zehn Gedichte liegen zwischen 21 und 40 Zeilen und passen damit auf ein Blatt. „Ballade vom Volk“ von Richard Dehmel, 1913, hat 22 Zeilen und beginnt mit einem einzigen Wort und einem Semikolon: „Bahnhofsgewühl;“. Die „Ballade des äußeren Lebens“ von Hugo von Hofmannsthal, 1922, zählt 23 Zeilen. Die „Ballade“ von Joachim Ringelnatz, 1928, hat 24 Zeilen und fängt an: „Tief im Innersten von Sachsen“. Dazu kommen zwei Gedichte von Alfred Henschke mit je 25 Zeilen: die „Ballade“ von 1913 und „Die Ballade von den Hofsängern“ von 1927. Mehr Gedichte dieser mittleren Länge gibt es hier nicht.
Zwei dieser fünf brauchen eine Anmerkung zur ersten Zeile. Bei Hofmannsthals Gedicht ist als erste Zeile der Titel in Großbuchstaben erfasst, „BALLADE DES ÄUSSEREN LEBENS“, weil die Druckvorlage ihn so über den Text setzt; die Titelschreibung im Verzeichnis folgt der gewöhnlichen Form. Bei Henschkes „Ballade“ von 1913 ist die erste erfasste Zeile eine Widmung in Klammern, „(für Frank Wedekind)“ – sie gehört zum Satz der Vorlage und ist mitgezählt worden; beim Vortrag spricht man sie in der Regel nicht mit. „Die Ballade von den Hofsängern“ setzt dagegen sofort im Text ein: „Wir ziehen dahin von Hof zu Hof.“
Die beiden langen Stücke bilden das andere Ende, beide über 80 Zeilen. „Die Ballade des Vergessens“ von Alfred Henschke, 1927, hat 112 Zeilen und beginnt mit „In den Lüften schreien die Geier schon,“. „Fingerhütchen“ von Conrad Ferdinand Meyer, 1882, ist mit 140 Zeilen das längste Gedicht dieser Seite und das einzige, dessen Titel das Wort Ballade nicht enthält; es beginnt mit einer Anrede: „Liebe Kinder, wisst ihr, wo“. Es ist zugleich der älteste Text hier: das nächste Druckjahr im Bestand dieser Seite ist 1913, also einunddreißig Jahre später.
Bei der Auswahl entscheidet vor allem die Vortragszeit. Vorgelesen wächst der Aufwand mit jeder Zeile: Ein Gedicht von 25 Zeilen lässt sich in eine Rede einbauen, eines von 140 Zeilen füllt einen eigenen Programmpunkt und will geübt sein. Auf eine Karte passt in dieser Form fast nichts, denn nur ein einziger Text bleibt bei zwölf Zeilen. Für eine Schulstunde oder einen Vortrag sind die fünf Gedichte zwischen 22 und 25 Zeilen der brauchbare Mittelbau. Reicht der Platz nicht, nimmt man eine Strophe – und schreibt dann dazu, dass es eine Strophe ist, mit Titel und Verfasser daneben.
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Eine Quellenangabe ist nach erloschenem Urheberrecht keine Pflicht mehr, aber sie erspart Rückfragen. Eine brauchbare Form nennt Verfasser, Titel, Druckjahr und Ausgabe, etwa: Conrad Ferdinand Meyer, „Fingerhütchen“, 1882. Zu jedem Gedicht ist die Druckfassung benannt, aus der der Text stammt; die Jahreszahl bezeichnet diese Ausgabe, nicht den Tag der Entstehung. Alte Schreibweisen darin sind keine Tippfehler, sondern der Stand der Vorlage: Zeichensetzung, Groß- und Kleinschreibung und Wortformen bleiben unverändert, auch wo sie heute befremden. Wer sie modernisiert, verändert den Text – erlaubt ist das, kenntlich machen sollte man es trotzdem.